Mad World von Andreas Langer
Vorspann: Es
werden Bilder und Clips, die die Widersprüchlichkeit der Welt
zeigen. Dazu das Lied „Mad Wolrd“ von Gary Jules. (ca. 3
min)
Auf
der Bühne ist eine Bar zusehen. Hinter dem Tresen steht der
Barkeeper, davor sitzt Tom und trinkt. Er schaut recht nachdenklich
aus. Dazu wird Musik eingespielt. Tom trinkt das Glas aus und stellt
es wortlos auf den Tresen.
Pete
(Barkeeper): Noch mal dasselbe?
Tom:
nickt nur…
Pete
füllt das Glas wieder: Ich habe mit euch erst später
gerechnet. Ist ja schließlich Heilig Abend. Wohl niemand da bei
dir?
Tom:
Heilig Abend? Besser der besch*** Abend meines Lebens. Setzt
Glas an und leert es aus. Los, noch einen…
Pete:
Wenn du so weiter machst, bist du blau bevor die anderen kommen.
Tom:
Mir doch egal…
Pete:
Was denn los mit dir?
Tom:
Meine Verlobte hat Schluss gemacht. Mit mir. Heute früh lag
ein Zettel auf dem Küchentisch. Warte, hab ihn hier irgendwo…
kramt in der Tasche rum… da, lies ruhig…
Pete
liest den Zettel: Oh, das ist ganz schön heftig. Wie
lange wart ihr zusammen?
Tom:
Drei Jahre… Für nächsten Sommer war die Hochzeit
geplant.
Pete:
Wird dir zwar nicht helfen, aber deine Drinks gehen heute auf mich…
Tom:
Noch nen Wodka…
Pete:
Warum bist du dann nicht bei deiner Familie?
Tom:
Die würden mich nur bemitleiden und hab keinen Bock denen
das Fest zu vermiesen…
Pete
füllt ein Glas und stellt sich auch eines hin (klischeehaft):
Frauen!
Tom:
Kein Kommentar… hast du nicht irgendwas depri Mäßiges
da?
Pete:
Mal schauen…
Pete
stellt das Radio an. Beide trinken aus und lauschen der Musik. Ein
neuer Gast kommt herein…
Linda:
Grüßt euch!
Pete:
Hi.
Linda:
Na, wie geht es denn? Hab schon von der Sache mit Helga gehört.
So eine dumme Kuh. Ich konnte die noch nie leiden…
Tom:
Ich schon!
Linda:
Sorry.
Tom:
Schon gut.
Linda:
Pete, einen Baileys. Und, wie geht es jetzt weiter?
Tom:
Keine Ahnung. Der ganze Weihnachtskäse geht mir so schon auf
den Wecker. Aber jetzt ist es noch schlimmer. Ich falle und weiß
nicht wann der Boden kommt. Wenn das so weiter geht, dreh ich noch
ganz durch.
Linda:
Das werde ich schon verhindern.
Die
Tür geht auf und Markus kommt herein.
Markus:
Morgen Mädels.
Linda:
Auch schon dem Grauen Zuhause entflohen?
Markus:
Ging nicht schneller. Die übliche Singerei musste noch sein. Was
man nicht alles tun muss, um seine Geschenke zu bekommen…
Tom:
Wenn du weiter keine Probleme hast…
Markus:
Wollte dich nur ablenken.
Tom:
Hat super geklappt.
Markus:
Gebe mir eben Mühe wo ich nur kann. Ein Weizen Pete…
Pete:
Kommt sofort.
Markus:
Trübsal blasen hilft dir auf keinen Fall weiter. Such dir gleich
was Neues.
Linda:
Du hast doch keinen Plan. Ist doch gerade jetzt so schwer. Die ganze
Gefühlsduselei die letzten Wochen über. Fest der Liebe und
solcher Quatsch. Da muss man sich doch erstmal richtig ausweinen.
Markus:
Ach, sei einfach ein Mann. Gibt schlimmeres…
Tom:
Ich kann auch gehen…
Linda:
Bleib doch. Sind noch gar nicht alle da. Bekommst auch noch was
Schönes…
Markus:
Was denn? Ein romantisches Wochenende für zwei?
Tom:
Es klatscht gleich.
Markus:
War nur ein Scherz. Sonst lachst du auch immer darüber…
Tom:
Da machst du ja auch über andere Witze… setzt sich von
den beiden weg
Linda:
Was geht mich das Elend anderer an?
Markus:
War das ne rhetorische Frage?
Linda:
Na ja, das ist doch eigentlich typisch für uns. Wir lachen
über andere, aber wenn wir selbst dran sind, finden wir das gar
nicht lustig.
Markus:
Machst du heute einen auf Moralapostel?
Linda:
Ist dir das denn noch nie aufgefallen?
Markus:
Also ich kann immer über mich lachen…
Linda:
Was anderes als lachen kann man auch nicht, wenn man dich sieht.
Markus:
Danke! Dreht sich beleidigt weg…
Linda:
Siehst du? Schon bist du beleidigt.
Markus:
Hast ja vielleicht doch recht. Was meinst du? Soll ich mich bei
Tom entschuldigen?
Linda:
Ach lass Tom doch einfach mal in Ruhe. Ist schon so schwer genug
für ihn. Seine ganze Zukunft ist mit einem Mal weg. Ich wurde
schon mit Vorbereitungen für die Hochzeit eingedeckt. Das ist
jetzt alles vertane Zeit gewesen.
Markus:
Hm. Da wird wohl Weihnachten und Silvester dieses Jahr ausfallen.
Wann
kommt denn eigentlich der Rest? Pete braucht heute noch Umsatz, damit
auch er sich ne ordentliche Bescherung leisten kann.
Linda:
Ohne dich als besten Kunden hätte er schon längst dicht
machen können.
Markus:
Bin eben ein guter Staatsbürger. Schaffe mit meiner
Trinkerei Arbeitsplätze. Wenn nur alle so wären…
Linda:
Dann könnten wir gleich ne Klinik neben jede Kneipe bauen…
Markus:
Klar. Keinen Waschsalon mehr, sondern Ausnüchterungszellen
zum mieten. Die Marktlücke schlechthin…
Linda:
Spinner! Jens ist noch in der Kirche. Mit seiner Familie.
Markus:
Na toll! Da freut man sich auf einen entspannten Abend mit Freunden
und dann ist niemand da.
Linda:
Heh! Bin ich dir etwa nicht gut genug?
Markus:
Tschuldigung. Aber ist doch echt komisch. Was Jens immer in die
Kirche rennt. Davon wird es doch auch nicht besser.
Linda:
Ach lass ihn doch. Er ist doch sonst eigentlich für jeden
Spaß zu haben.
Markus:
Mein Glas ist leer!
Pete:
Das übliche?
Markus:
Jupp.
Pete:
füllt ein Glas auf und bringt es zu Markus…
Markus:
Wo waren wir gerade?
Linda:
Musst mir auch nicht zu hören. Trink ruhig lieber weiter…
Markus:
Tut mir leid. Hast ja Recht. Bin sehr unhöflich.
Linda:
Wie war es denn eigentlich bei dir zu Hause?
Markus:
Wie jedes Jahr. Die ganze Verwandtschaft kommt, man kann sich
nicht leiden, tut aber so als wäre alles in Ordnung. Und nach
dem Fest, wenn alle richtig fett geworden sind, gehen alle wieder
nach Hause, um sich über die anderen aufzuregen. Wenn es meinen
Eltern nicht so wichtig wäre, dann wäre ich da schon längst
nicht mehr dabei.
Linda:
Aber Weihnachten verbringt man doch mit den Menschen die man
liebt.
Markus:
Du kennst meine Familie nicht. Freunde kann man sich wenigstens
aussuchen. Ständig wird angegeben, wie toll doch unser Sohn ist.
Schon soviel erreicht. Wir sind ganz stolz auf ihn. Aber wie es in
mir drinn aussieht, ob ich glücklich bin, das ist unwichtig.
Linda:
Besser als wenn ständig genörgelt wird. Na, immer noch
keinen Mann? In deinem Alter hatte ich schon drei Kinder. Enkel kann
ich wohl vergessen. Du kannst uns nicht ewig auf der Tasche liegen…
Markus:
Auf die Familie!
Linda:
Auf die Familie!
Die
Tür geht auf und Nicole kommt herein.
Nicole:
Fröhliche Weihnachten!
Alle
anderen: Ach hör doch auf!
Nicole:
Wie seit ihr denn drauf? Hallo.
Linda:
Hi. Kurze Umarmung. Geht dann zu Markus und Tom.
Markus:
Na? Alles noch dran?
Nicole:
Klar, wie immer:
Markus:
Kümmere dich mal um Tom. Seine Verlobte hat ihn verlassen.
Nicole:
Wirklich? Der Arme… Und das zu Weihnachten… geht
zu Tom…
Nicole:
Na du? Kann ich was für dich tun?
Tom:
Klar. Gib mir einen aus!
Nicole:
Ich meine es ernst!
Tom:
Ich weiß. Es geht schon. Es muss gehen. Wir können
trotzdem Einen trinken.
Nicole:
Ich hätte gerne irgendwas Alkoholfreies!
Pete:
Ist ein Kirschsaft ok?
Nicole:
Klar. Hört sich gut an…
Tom:
Ich nehme noch mal nen Wodka!
Pete:
Meinst du nicht, dass erstmal genug hast? Musst es doch nicht
gleich übertreiben.
Tom:
Hach ist das toll. Jeder passt auf mich auf.
Nicole:
Ist doch bloß gut gemeint. Hei, wir können dich doch
alle gut leiden, hm? Umarmt ihn… Kommst du wieder mit
zu den anderen?
Tom:
Na gut, ich nehme auch nen Kirschsaft!
Linda:
Kannst du gleich noch einen Salat machen?
Pete:
Zweimal Kirchsaft, einen Salat.
Stefan
kommt herein und setzt sich mit an den Tisch.
Stefan:
Hallo! Bin ich froh, dass ich es noch geschafft habe…
Markus:
Ach, wir dachten schon du feierst alleine in der Firma vor dem
Bildschirm.
Stefan:
Sehr witzig. Geld liegt nicht auf der Straße. Und nicht jeder
kann sich von deinen Eltern aushalten lassen.
Markus:
Ich tu doch auch etwas für mein Geld.
Linda:
Ja, sie zu Weihnachten besuchen.
Markus:
Besser spät als gar nicht.
Pete:
bringt die Getränke und den Salat. Zu Stefan: Ein
Bier?
Stefan:
Nein, ein trockener Rotwein wäre mir lieber.
Nicole:
Nicht schlecht. Die Eltern besuchen, weil man was haben möchte.
Markus:
Machst du das etwa anders?
Nicole:
Ja. Wir reden nicht mehr miteinander.
Markus:
Oh. Das habe ich nicht gewusst.
Tom:
Ist doch nicht schlimm. Jeder hat seine Leichen im Keller.
Stefan:
Möchtest du uns irgendetwas sagen?
Linda:
Seine Verlobte hat ihn sitzen lassen.
Stefan:
Und jetzt liegt sie im Keller?
Tom:
Das war nicht nett.
Stefan:
Nimm es nicht so schwer. Es gibt auch noch andere.
Tom:
In meinem Alter findet sich ja ganz schnell Ersatz. Man muss ja
nur den Katalog aufblättern, raussuchen, anrufen und Tata! Schon
steht die Neue Frau vor der Tür…
Stefan:
Das wäre schön… Ach, ich habe gar keine Zeit
mich nach was Nettem umzuschauen…
Linda:
Ist doch schon was Nettes hier…
Stefan:
Holla! Hast du heute Abend schon was vor?
Markus:
Wollt ihr euch nicht ein Zimmer nehmen? Ist doch nicht zum
aushalten. Ich will feiern und nicht ne Schnulze anschauen.
Stefan:
Ach, du bist doch nur neidisch.
Nicole:
Da wir gerade von feiern sprechen, wo ist eigentlich Jens? Habt
ihr ihm nicht Bescheid gegeben?
Markus:
Frag Linda.
Linda:
Doch, er kann aber erst später. Er geht mit seiner Familie
heute in die Kirche.
Stefan:
In die Kirche? Heute? Warum denn das?
Linda:
Was weiß ich. Ist eben bei denen so. Frag ihn doch selber.
Nicole:
Hat denn die Kirche heute überhaupt auf?
Markus:
Sonst wäre er ja hier.
Ein
als Weihnachtsmann verkleideter Mensch kommt herein.
Markus:
Oh. Na, wer von euch war schön artig die letzte Zeit? Oder
soll der Weihnachtsmann seine Peitsche herausholen?
Linda:
Wovon träumst du eigentlich nachts?
Tom:
Das willst du bestimmt gar nicht wissen…
Stefan:
Hat von euch jemand nen Weihnachtsmann bestellt? Wäre ja mal
was Neues.
Nicole:
Ach, der wird einfach nur was trinken wollen.
Weihnachtsmann:
Einen Doppelten bitte! Setzt sich an den Tresen…
Pete:
Schon fertig mit der Arbeit?
Weihnachtsmann:
Hör mir bloß auf! Mir steht es bis hier!
Pete:
Warum?
Weihnachtsmann:
Weihnachten nervt einfach nur…
Markus:
Was für ein Spaß! Ein Weihnachtsmann der Weihnachten
nervig findet.
Nicole:
Da lief wohl bei der Berufsberatung einiges schief…
Markus:
Der war gut…
Weihnachtsmann:
Macht ihr euch etwa über mich lustig? Habt ihr überhaupt
eine Ahnung was es bedeutet, monatelang im Kaufhaus herum zu sitzen
und sich als fröhlichen dicken roten Mann zu verkleiden?
Stefan:
Für Geld würde ich alles tun!
Linda:
Das ist ja nichts Neues…
Weihnachtsmann:
Denke ja nicht dass ich gut dafür bezahlt werde. Ich fühle
mich oft nur wie eine lebende Weihnachtsdekoration.
Markus:
Ehm, kann ich dich mieten? Habe sonst nichts Schönes weiter
herumstehen.
Tom:
Musst du heute eigentlich jeden fertig machen?
Markus:
Tschuldigung, bin heute total abgedreht. Das Weihnachtsessen bei
den Eltern hat mir den Rest gegeben.
Linda:
Die liebe Verwandtschaft eben…
Weihnachtsmann:
Kann ich auch mal wieder was sagen? Danke! Ihr könnt euch
das gar nicht vorstellen. Für mich besteht Weihnachten
eigentlich nur aus Kitsch. Nervt euch das nicht auch, wenn ihr Ende
August schon die ersten Schokoladenweihnachtsmänner kaufen
könnt?
Stefan:
Na ja, hast schon recht, aber ich gehe ja so selten einkaufen.
Nicole:
Stimmt, macht ja alles deine Haushaltshilfe.
Markus:
Kauf dir endlich mal ne Frau!
Stefan:
Darf ich ihn heute endlich schlagen?
Tom:
Warte bis morgen. Ich helfe dir!
Weihnachtsmann:
Ihr braucht mir auch nicht zuhören. Kann mich auch mit
meinem Kostüm unterhalten…
Linda:
Hör einfach nicht auf die Spinner!
Weihnachtsmann:
Wie gesagt, ich bin der lebende Beweis, dass es nur noch ums Geld
geht. Das Kaufhaus, in dem ich dann fast zwei Monate den
Weihnachtsmann spiele, dekoriert Ende Oktober auf Weihnachten um. Da
ist noch nicht mal das ganze Laub von den Bäumen.
Pete:
Ich schmücke bei mir gar nicht.
Weihnachtsmann:
Deshalb sitzen heute auch so viele Gäste hier!
Pete:
Wolltest du noch was zu trinken?
Weihnachtsmann:
Eigentlich schon…
Pete:
Dann reiß dich zusammen!
Weihnachtsmann:
Scotch bitte! Ok, am schlimmsten sind dann die Tage mit den
kleinen Kindern. „Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir
zu Weihnachten die neue Harry Potter Action Figur mit allen Super
mega Extras“; oder: „Also ich hätte gerne das neue
LG Chocolate Handy mit integrierter Kamera, Fernseher, Radio und
4fach DVD - Brenner“.
Markus:
Das geht doch gar nicht.
Weihnachtsmann:
Schon einmal etwas von Sarkasmus gehört?
Nicole:
Bei ihm braucht es immer etwas länger…
Weihnachtsmann:
Große Klappe und nichts dahinter?
Nicole:
So ähnlich…
Weihnachtsmann:
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, was ich sagen wollte, wem
geht es denn zu Weihnachten noch um das Wesentliche? Wer möchte
denn dem Anderen noch eine Freude bereiten? Wer verschenkt denn noch
etwas, ohne eine Gegenleistung zu erwarten? Wer kümmert sich
denn noch um Leute, die alleine sind und niemanden haben? Wer besucht
denn noch gerne alte Freunde? Wer sorgt sich denn um die sozial
Schwachen? Es geht doch allen nur noch um Spaß, Ablenkung und
eine gute Show. Ich sage euch, wir leben in einer sehr
oberflächlichen Welt…
Linda:
Du hast schon recht, ein Fest der Liebe ist es schon lange nicht
mehr. Aber nicht alle sind so schlimm. Es gibt auch Menschen, die
anderen helfen und für sie da sind.
Weihnachtsmann:
Die sind aber die Ausnahme.
Und
was wissen wir denn überhaupt über das eigentliche
Weihnachten? Es denken doch heute alle ich bin eine Erfindung von
Coca Cola.
Markus:
Ist das überhaupt wichtig? Hauptsache ein paar freie Tage…
Tom:
Soviel zur Oberflächlichkeit.
Pete:
Also wenn es euch interessiert. Es kommt gerade eine
Dokumentation im Fernsehen darüber. Die wollte ich eigentlich
sehen, dachte nicht dass heute Abend so viele Gäste kommen. Wenn
ihr nichts dagegen habt…
Nicole:
Klar, warum nicht. Wir sind sowieso noch nicht vollzählig.
Tom:
Mach ruhig an. Schlimmer kann es eh nicht mehr werden.
Markus:
Das ist ein Tag, Essen, Geschenke, ein Bier und dann noch
Fernsehen… besser kann es nicht werden…
Weihnachtsmann:
Ist der immer so?
Stefan:
Bei manchen dauert es länger mit dem Erwachsen werden.
Markus:
Das lässt mich kalt. „Nur wer erwachsen wird und ein
Kind bleibt, ist ein Mensch“
Linda:
Erich Kästner.
Markus:
Genau!
Tom:
Hm, Stefan. Da hat er wohl mal gewonnen…
Stefan:
Ach, ihr habt doch alle einen an der Klatsche!
Pete
hat inzwischen die Leinwand aufgebaut und den Beamer angestellt.
Pete:
Ok, es ist soweit…
[[An
dieser Stelle wird die Dokumentation gezeigt. Falls ihr keinen Film
drehen könnt, kann man die Dokumentation auch spielen. Siehe
Drehbuch im Anhang.]]
Jens:
Frohe Weihnachten euch allen! Macht ihr hier einen Filmabend?
Markus:
Na schön, dass du auch endlich mal vorbei kommst! Wir warten
schon eine Ewigkeit auf dich.
Jens:
Begrüßt die anderen erst einmal… Was ist
denn los? Ich hatte Linda doch gesagt, dass ich erst später
komme. Ich war mit meiner Familie erst noch im Gottesdienst.
Stefan:
Ja, wie immer.
Jens:
Ist noch ein Weizen da?
Pete:
Für dich doch immer.
Jens:
So, nun sagt mal, was habt ihr denn gerade gesehen?
Nicole:
Ach, Pete wollte sich eine Doku über die
Weihnachtsgeschichte anschauen.
Jens:
Jetzt bin ich aber Baff. Du kennst die Weihnachtsgeschichte?
Nicole:
Ja, inzwischen schon.
Linda:
Na ja, jetzt weiß ich wenigstens, was du immer in der
Kirche machst.
Jens:
Was denn?
Linda:
Na dieses Kind …
Markus:
Jesus…
Linda:
… ja, diesen Jesus anbeten.
Stefan:
Da stellt sich mir die Frage, was springt dabei für dich
eigentlich heraus?
Markus:
War doch klar, dass so was von dir kommt…
Jens:
Was bekomme ich dafür? Muss man denn immer was bekommen?
Weihnachtsmann:
Na ohne Grund wirst du doch nicht beten, oder?
Jens:
Na ihr habt doch die Geschichte gehört. Ich glaube an Gott. Dass
er euch, mich und alles um uns herum erschaffen hat.
Nicole:
Und wo ist da das Problem?
Jens:
Wir sind nicht dankbar dafür, sondern machen dass was wir
wollen, ohne zu fragen, was Gott davon hält.
Tom:
Dasselbe macht doch Markus mit seinen Eltern auch.
Jens:
Guter Vergleich. Irgendwann hatte Gott einfach mal die Schnauze voll,
von dem ganzen Mist den wir immer gemacht haben. Denn obwohl er uns
liebt, wie ein Vater seine Kinder liebt, stehen unsere Sünden
zwischen uns und ihm. Und um diesen Abgrund zu überwinden, hat
er seinen Sohn auf die Welt geschickt, dass dieser stellvertretend
für uns alle Sünde dieser Welt auf sich nimmt und als
Mensch stirbt, damit wir ewig leben können.
Weihnachtsmann:
Hat das nicht was mit Ostern zutun?
Jens:
Jepp.
Tom:
Und der Sohn, dass ist dieser Jesus gewesen?
Jens:
Richtig.
Nicole:
Und weil er unsere Sünden auf sich genommen hat, sind wir
jetzt also gerettet. Einfach so.
Jens:
Ganz so einfach ist es nicht.
Markus:
Wusste ich es doch, die Sache hat einen Haken.
Jens:
Wie man`s nimmt. Wir sind gerettet, wenn wir an Jesus glauben. Wenn
wir daran glauben, dass er für uns ans Kreuz gegangen ist, und
unsere Sünden auf sich genommen hat, dass er für uns
gestorben ist, damit wir gerettet werden.
Stefan:
Also werden wir nur gerettet, wenn wir in die Kirche gehen?
Jens:
Nein. Glauben hängt nicht davon ab, wie oft du in die Kirche
gehst. Wichtig ist, wie du lebst.
Linda:
Und wie lebt man da so? Seid ihr denn anders?
Markus:
Na klar ist der anders. Wir treffen uns in der Kneipe und er
rennt in die Kirche.
Stefan:
Sei doch mal nur einen kleinen Augenblick ernst.
Jens:
Jesus hat uns gelehrt, wir sollen unsere Mitmenschen so lieben, wie
uns selbst.
Linda:
Das hört sich ja richtig schön an. Und warum ist das
gerade jetzt so wichtig?
Jens:
Was bedeutet denn für euch Weihnachten?
Weihnachtsmann:
Arbeit.
Stefan:
Feiern.
Linda:
Familie.
Markus:
Geschenke.
Tom:
Einsamkeit.
Nicole:
Eigentlich nichts Besonderes…
Jens:
Genau das ist das Problem. Es ist etwas Besonderes.
Stefan:
Warum? Bloß weil an diesem Tag dein Jesus zur Welt gekommen
ist? Es gibt trotzdem an diesem Tag Krieg, Ungerechtigkeit, Armut,
Angst und Gewalt überall auf dieser Welt.
Tom:
Genau. Heute ist zwar für uns Weihnachten, aber gerade
jetzt, sterben im Irak wieder Menschen. Und in Afghanistan. Oder im
Sudan.
Linda:
Und wer weiß wie viele Kriege es noch gibt, von denen die
Medien gar nicht erst berichten, weil sie nicht so wichtig sind.
Markus:
Und wie fühlen wir uns denn heute? Alle feiern und fressen
sich fett, während in Afrika Kinder verhungern oder an Aids
sterben.
Nicole:
Und die vielen Straßenkinder in Südamerika? Wir
streben nur nach Profit und Ansehen in der Gesellschaft, und diese
Kinder haben nicht mal eine Familie. Was ist denn daran so
Besonderes?
Stefan:
Wir brauchen nicht mal woanders hingehen. Selbst bei uns gibt es
eigentlich keinen Grund zum Feiern.
Weihnachtsmann:
Ja. Wenn ich durch die Stadt laufe an den Weihnachtstagen, da ist
nicht nur alles fein weihnachtlich geschmückt, nein, man findet
immer wieder den einen oder anderen Obdachlosen, der sich alleine in
der Kälte befindet.
Jens:
Aber wer macht den die Kriege? Oder wer macht die Armut und warum
herrscht Ungerechtigkeit? Wer ist daran Schuld?
Tom:
Wir Menschen. Wie immer.
Jens:
Und an wem liegt es, dass es zu Weihnachten nicht anders ist?
Nicole:
Auch an den Menschen.
Jens:
Trotzdem machen wir immer Gott verantwortlich, wenn etwas Schlimmes
passiert.
Stefan:
Na schließlich beten doch immer so viele für eine schöne
Welt. Aber diese Welt ist nicht schön. Sondern sie ist verrückt!
Und erhört Gott die Gebete?
Jens:
Gott ist keine Wünsch - Dir - Was - Maschine! Aber das ist
typisches Denken von uns. Wir halten uns nicht an die Gebote, aber
wollen unsere Wünsche erfüllt haben. Erst ich, dann die
anderen.
Stefan:
Ok, du hast ja Recht. Wir Menschen sind selbst daran schuld.
Linda:
Was bedeutet denn Weihnachten eigentlich für dich?
Jens:
Man hat jetzt die Chance, einmal im Jahr etwas Gutes zu tun.
Markus:
Hä?
Jens:
Ich habe doch schon gesagt, wir sollen unsere Mitmenschen lieben wie
uns selbst. Und was machst du zu Weihnachten? Du rufst Freunde oder
Verwandte an, die du schon lange nicht mehr gesehen hast. Und
vielleicht spendest du auch irgendwo etwas für
Hilfsorganisationen. Auf jeden Fall ist die Gelegenheit etwas Gutes
zu tun gerade heute richtig präsent. Man wird einfach ständig
daran erinnert. Nicht wie sonst immer…
Nicole:
Du meinst, wenn wir schon für Armut und Gewalt
verantwortlich sind, dann können wir auch was dagegen tun?
Jens:
Wir müssen es sogar. Wer sollte es denn sonst machen? Wir
alleine haben es in der Hand, die Welt zu einem besseren Ort zu
machen. Und wo kann man anfangen? Vor seiner Wohnungstür.
Markus:
Ich habe schon verstanden. Ich sollte zu Weihnachten nicht nur an
die Geschenke denken, sondern mich auch wirklich für meine
Familie interessieren. Auch wenn sie mich nerven.
Linda:
Selbst wenn sie nerven, man weiß nie, wie lange man sie
hat. Es kann so schnell mal alles vorbei sein.
Tom:
Dann ist das ja eigentlich die beste Gelegenheit, den Menschen,
die einem wichtig sind was zu sagen.
Stefan:
Was willst du denn sagen?
Tom:
Der wahre Reichtum im Leben sind die Freunde. Und da geht es mir
dank euch richtig gut.
Markus:
Oh, das läuft runter wie Öl…
Stefan:
Vielleicht sollte ich nicht immer nur an den Profit und die
Arbeit denken, sondern auch an meine Mitmenschen. Wie Tom es schon
sagte: ohne Freunde ist man arm dran…
Nicole:
Es steckt also mehr dahinter. Nicht nur Einkaufen,
Weihnachtsmärkte und Lebkuchen. Die Menschen sind wichtig. Nicht
die Dinge.
Tom:
Es ist trotzdem verrückt. Zu Weihnachten denken wir auf
einmal an die Ärmeren oder an Freunde, denen es nicht gut geht,
und wenn die Feiertage vorbei sind ist wieder alles beim Alten.
Linda:
Das liegt dann wohl an jedem selber. Wenn du etwas anders haben
willst, dann musst du es eben den anderen vorleben. Vielleicht machen
sie es dir dann nach…
Weihnachtsmann:
Also, es war sehr nett, mit euch zu Plaudern, aber ich werde mal
langsam nach Hause gehen. Frohe Weihnachten euch allen!
Jens:
Dir auch!
Markus:
Ja, lass es dir gut gehen…
Weihnachtsmann:
Mal schauen, ich habe bestimmt noch was Kleines für euch…
Stefan:
Das wäre doch nicht nötig gewesen…
Weihnachtsmann:
Doch. Der Abend war schöner als ich es geplant hatte…
Na dann, bis nächstes Jahr!
Der
Weihnachtsmann geht hinaus.
Nicole:
Und was machen wir jetzt noch mit den angebrochenen Abend?
Tom:
Mir helfen meine Ex zu vergessen!
Markus:
Kein Thema. Weiß schon gar nicht mehr ihren Namen…
Stefan:
Lasst uns die Gläser erheben!
Linda:
Auf was trinken wir?
Jens:
Auf den Geburtstag von Jesus Christus und unsere Freundschaft!
Markus:
Na dann Prost!
Nicole:
Da können wir uns jetzt ja auch beschenken…
Markus:
Du hast wirklich was für mich?
Nicole:
Na klar. Was denkst du denn?
Stefan:
Nicole gibt eben jeden eine Chance…
Markus:
Sehr witzig!
Pete:
Eine Liebe zwischen den Menschen…
Abspann:
Ein
Video, was zeigt, wie schön doch Gottes großartige
Schöpfung ist, mit Musik von Xavier Naidoo.
Hier ist nun das besagte Drehbuch für die Doku:
Drehbuch
Krippenszene
Vorspann:
Schwarzer
Hintergrund.
Sprecher:
Galiläa, ca. 6 vor Christus. Ein Mann und eine Frau sind
einsam auf einer Landstraße nach Bethlehem unterwegs. Die Frau
ist schwanger. Der Mann ist Tischler in Nazareth und heißt
Josef. Die Reise dauert nun schon mehrere Tage an. Warum nur begeben
sich die beiden auf einen so beschwerlichen Weg?
Aufblende:
ein Feldweg, offenes Gelände. Maria und Josef bewegen
sich langsam vom Horizont auf die Kamera zu. (ca. eine Minute)
Klassische
Filmmusik wird eingespielt. Textzeilen mit Titel des Filmes,
Produzent, Hauptdarsteller, Einblendung der Textstelle (z.B. Lukas 2)
Aufblende:
ein Schlossgarten: auf einer Steinbank sitzt ein Schreiber,
der röm. Kaiser Augustus geht unruhig auf und ab.
Augustus:
Mein Imperium wird immer größer, und die Staatskasse
immer leerer. Die Verwaltung wird immer teurer. Ich kann mir nicht
mal mehr Kriege leisten um mein Land zu vergrößern. Was
soll ich tun?
Schreiber:
Euer Vorgänger pflegte in so einem Fall die Steuer zu
erhöhen.
Augustus:
Die Steuer erhöhen? Ich weis doch nicht einmal, wie groß
die Zahl meiner Untertanen ist. Wie kann ich da meinen Verwaltern
trauen? Die nutzen doch jede Gelegenheit um sich selbst zu
bereichern.
Schreiber:
Wie wäre es denn mit einer Volkszählung?
Augustus:
Eine Volkszählung? Das wäre eine Lösung. Lasse
einen Plan ausarbeiten. Übermorgen erwarte ich einen
vollständigen Bericht.
Aufblende:
Maria und Josef auf dem Feldweg, wie sie sich von hinten von
der Kamera weg bewegen.
Sprecher:
Eine Volkszählung, die erste überhaupt, die durchgeführt
wurde. Der Kaiser verfügte, dass sich jeder Mann in seinen
Geburtsort begeben sollte, um gezählt zu werden. Frauen mussten
sich ihren Männern anschließen.
Unser
Zimmermann wurde in Bethlehem geboren. Deshalb musste er mit seiner
schwangeren Frau diese schwere Reise antreten.
Aber
die beiden waren auch noch in einem anderen Auftrag unterwegs.
Aufblende:
Maria arbeitet zuhause, geht hin und her, dazu der Sprecher
Sprecher:
Seit der Zeit des großen Königs Davids ging es für
das Volk Israel nur noch bergab. Das Land wurde mehrfach von
stärkeren Reichen überrannt und zerstört. Seitdem
wartet das Volk auf ihren Messias, der von Gott zur Rettung gesandt
werden soll. Zur Zeit unserer Geschichte sind die Römer die
Besatzer.
Aber
Gott lässt sein Volk nicht im Stich...
Aufblende:
Ein Engel erscheint Maria.
Engel:
Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du
sollst ihn den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn
des Höchsten genannt werden; und Gott der HERR wird ihm den
Thron seines Vaters geben und er wird König sein über das
Haus Jakob in Ewigkeit und sein Reich wird kein Ende haben.
Aufblende:
Weg, Kamera geht mit
Sprecher:
Maria wurde auserwählt, Gottes Sohn auf die Welt zu bringen. Ihr
Verlobter Josef war von der Geschichte nicht ganz so begeistert. Eine
Schwangerschaft vor der Hochzeit zog allgemeine Verachtung nach sich.
Aber der HERR sandte auch ihm einen Engel, welcher seine Bedenken
beseitigte.
Aufblende:
drei Wirte auf Bank am Tisch
Wilhelm:
(gestresst) Du sag mal, ist bei dir auch schon
alles belegt?
Walter:
Ja, hast du was dagegen? Also mir gefällt das. Da verdienen
wir endlich mal richtig gutes Geld.
Wilfried:
Mir blieb nichts anderes übrig, als die Gäste in meinen
Privaträumen unterzubringen. Und kurz bevor ich zu euch kam,
stellte ich so einen jungverheirateten Paar sogar meinen Stall zur
Verfügung.
Aufblende:
Stall
Sprecher:
Für Maria war indessen die Zeit der Geburt gekommen. Aufgrund
der misslichen Gästesituation musste Maria im Stall gebären.
Ein Kinderbett hatten sie dort auch nicht, deshalb musste der kleine
Jesus mit einer Futterkrippe vorlieb nehmen.
Aufblende:
Hirten auf Feld, Feuer, Nacht, Viecher, später Engel
Heinz:
Hast du heute schon die Schafe gezählt?
Helmut:
Ja, wie immer 2342.
Hartmut:
Leg mal noch bissel Holz nach, mir friert gleich alles ab.
Stille, Essen, danach plötzlich alles hell,
Engel
Engel:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch
große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist
heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der
Stadt Davids. Und das habt ihr zum Zeichen: Ihr werdet finden das
Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
Aufblende:
Hirten gehen zum Stall
Sprecher:
Hirten standen schon immer auf untersten Gesellschaftsebene.
Dass gerade sie von einem Engel diese Neuigkeit erfuhren, erfüllte
sie mit stolz. Außerdem siegte auch die Neugier, ob es wirklich
stimmt. Und jeder möchte der Erste sein…
Aufblende:
Der Stall. Maria, Josef und Kind. Hirten kommen hinzu, knien
nieder und beten es an.
Sprecher:
Als die hirten in den Stall kamen, war es genauso wie der
Engel es gesagt hatte. Voller Ehrfurcht fielen sie auf die Knie und
beteten das neugeborene Kind an. Sie setzten große Hoffnung in
das Kind. Er sollte dem Volk endlich die lang ersehnte Freiheit und
einen Ausweg aus der Armut bringen. Von Gottes Plan hatten sie aber
keinen Schimmer. Und so kam alles anders als sie dachten…
Aufblende:
Feldweg vor klarem Sternenhimmel. Die drei Sternenforscher
laufen und suchen Sterne…
Sprecher:
Die Hirten waren nicht die Einzigen, die sich auf den Weg zum
Stall in Bethlehem machten. Nein, es gab da auch Sternenforscher, von
wo sie herkamen, man weiß es nicht. Aber sie bemerkten einen
neuen, helleren Stern. Die einzige logische Erklärung war, dass
etwas Besonderes geschehen sein musste. Vielleicht war ein König
geboren wurden, so mächtig, wie es ihn noch nie gab und auch
nicht wieder geben wird. Also machten sie sich auf den Weg, dem Stern
entgegen, der genau über dem Stall in Bethlehem stand.
Bis
heute weiß man nicht welchen Stern die Forscher damals sahen,
wahrscheinlich standen damals Jupiter und Saturn direkt
hintereinander und schienen so heller als sonst…
Aber
die Sternenforscher kommen erst einige Wochen später zu dem
neuen König. Dem Messias der Juden und dem Retter der
Menschheit….
Aufblende:
Es ist noch mal der Stall zusehen, und der Abspann…
Ende
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